Ölbranche und Treibhausgase gewinnen, Bürgerinnen und Bürger bezahlen.

„Biodiversität ist ein Schatz der Natur und gleichzeitig eine Quelle für Wertschöpfung. Wir wollen Artenvielfalt schützen und nachhaltig nutzen. Der Erhalt unserer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt ist eine zentrale Aufgabe für alle Länder. Wir sind es den kommenden Generationen schuldig, uns anzustrengen.“ (OTS). Greenpeace? Global 2000? Nein. Totschnig auf der COP17 in Jerewan. Schön gesagt, Herr Minister. Doch gleichzeitig werden für Öl und Gas gewaltige Übergewinne erzielt, Treibhausgase erreichen Jahr für Jahr neue Rekordwerte und Klimaschutzmassnahmen gleichen einer ‚lame duck‘. Zu wenig, zu langsam, zu geringe Effizienz.

„Europäische Ölkonzerne profitieren von den hohen Preisen für Rohöl aufgrund des Irankriegs. Mehrere Unternehmen, darunter Shell in Großbritannien und TotalEnergies in Frankreich, meldeten Milliardengewinne im dritten Quartal. Shell verzeichnete von Juli bis September einen Gewinn von 12,1 Milliarden Dollar – mehr als doppelt so viel wie im Vorquartal.“ ⁠(Die Zeit). Auch die OMV erfreut sich an satten krisenbedingten Übergewinnen.

Die einen schreiben Gewinne, die anderen bezahlen. Ein sehr kleiner Teil gewinnt, die Rechnung wird vom Großteil der Bevölkerung beglichen, von den Bürgerinnen und Bürgern, und zwar gleich mehrfach. Gas, Öl und Strom werden teurer, spürbar beim Tanken oder Aufladen, bei Haushaltsstrom und Heizung, auch Produkte und Lebensmittel verteuern sich, sprich: Der ganze Alltag wird teurer. Klimaschutz bleibt aktuell außen vor (wird uns erst später noch viel mehr kosten als es heute kosten würde), Mehrkosten fallen für Anpassungsmaßnahmen an. Dazu kommen Abgeltung, Förderungen und Zuschüsse für Schäden aus Extremwetter-Katastrophen. Förderungen fließen zudem noch immer in Milliardenhöhe an die Fossilen. Und wenn wir die Klimaziele nicht erreichen, kommen Strafzahlungen auf uns zu. Hindert uns das alles an einem weiter wie bisher? Uns, das sind Politik, Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft. Und die Wissenschaft.

Wir sind bereit, dafür zu sterben.

Keineswegs. Im Gegenteil. Wir sind bereit, dafür zu sterben. Zahl der Hitzetoten im Sommer 2026 in Österreich etwa 1000, in europäischen Städten über 50.000 und global im Jahr 2025 über 500.000 Menschen. Zahlen, die in den nächsten Jahren (vermutlich massiv) ansteigen werden, das ist bekannt. Auch die Treibhausgase schreiben nämlich ‚Gewinne‘ und erreichten im Jahr 2025 beispiellose Höchststände (WMO), für 2026 ist ein weiterer Anstieg zu erwarten. Das heißt häufigere und länger dauernde Hitzeperioden mit noch höheren Temperaturen und immer mehr Menschen, die an der Hitze sterben. In der Mehrzahl aus vulnerablen Gesellschaftsbereichen.

Stimmen in Politik und Gesellschaft, die eine Übergewinnsteuer fordern, verhallen zumeist in der CO2-geschwängerten Atmosphäre. Mit den Einnahmen könnten Klimaschutzmaßnahmen, Erneuerbare Energien und notwendige Anpassungen finanziert werden. Käme noch eine angemessene Vermögens- und Erbschaftssteuer dazu, ließe sich da einiges bewegen. Aber denken relevante Entscheidungsträger:innen ernsthaft über so etwas nach, oder gar über konkrete Umsetzung?

In Österreich geschieht genauso wenig wie in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern. Es wäre Sache der Politik, (gesetzliche) Rahmenbedingungen für die notwendigen Transformationen zu schaffen, Sache der Wirtschaft, nicht nur auf kurzfristige Gewinne zu schauen, sondern langfristig nachhaltig zu denken und Sache der Zivilgesllschaft, sich demokratisch einzumischen, mehr Mitsprache einzufordern, sowie die Transformation der Lebensweise voranzutreiben. Die Krux dabei, über 80% der Bevölkerung, in manchen Umfragen bis zu 90%, sind für mehr Klimaschutz, wenn es aber an die Veränderung geliebter Gewohnheiten geht, bleibt nicht viel an Bereitschaft übrig.

„Maßnahmen wie mehr Bäumen pflanzen, Energieeffizienz subventionieren, das Verbot von Einweg-Plastik und die Besteuerung großer Emittenten wurden bevorzugt, während die Erhöhung der Kraftstoffsteuer, Einschränkung von Fleisch und Milchprodukten, eine höhere Besteuerung der Flüge und das Verbot benzin- und dieselbetriebener Neuwagen abgelehnt wurden“. (The Guardian)

Wir, das sind Politik, Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft. Und die Wissenschaft. Alle haben je unterschiedliche Aufgaben für ihren Bereich zu erfüllen, wenn sich des Ministers Aussage verwirklichen soll: „Der Erhalt unserer vielfältigen Tier- und Pflanzenwelt ist eine zentrale Aufgabe für alle Länder. Wir sind es den kommenden Generationen schuldig, uns anzustrengen.“„

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert