Ohnmachtsgefühle breiten sich aus, die Wut wächst und raubt den Schlaf. Wohin damit, frag ich mich immer wieder und weiß keine Antwort. Manchmal geistern Gewaltphantasien durch meinen Kopf, nächtens, Antwort sind sie höchstens in der Phantasie und nichtmal da, weitergedacht schon gar keine Lösung, genau das Verkehrte. Apropos Verkehr: Auch da ist die Gewalt im Spiel, wird lebendiger Boden panzerfest zugeteert. Autos rollen drüber, mit Glück eine ‚Zeitersparnis von 15 Minuten‘. Zeit sei Geld … und verstopft den Tunnel im Gehirn der Macher.
Die zunehmende Gewalt in der Welt ist genau das, was mich ohnmächtig und wütend macht. Gewalt gegen Menschen, Gewalt gegen die Natur. En vogue geworden ist das Recht des Stärkeren.
Als ein Seniors For Future schau ich vor allem auf’s Klima hin. Die Gewalt, die Menschen und Natur aktuell erdulden, Menschen als Täter und Opfer gleichermaßen, führt zielgenau in die Klimakatastrophe. Nicht nur der Kollaps von Klima und biologischer Vielfalt, auch der Kollaps von Gesellschaften steht vor der Tür, oder – fragt der Kasperl: Seid ihr alle da? Ja! schreien sie. Ja! Wir sind schon da! Hier und jetzt! Bloß – ihr wollt uns halt nicht sehen und nehmt uns nicht für voll und sobald ihr uns spürt, verdrängt ihr uns schnellstmöglich. Das lieben wir an euch, wir drei Kollapsen, dass ihr so gern verdrängt. Und damit nicht genug, ihr nährt uns noch mit eurem ÖL und Gas, mit Kohle und Faschismus. Gift für euch, für die Kollapsen ein Fest. Sie wuchern munter weiter.
Nicht alle frönen der Verdrängung, viele sind schon so betroffen, dass sie um’s blanke Überleben kämpfen müssen. Kopf über Wasser halten ist dort die Realdevise. Bei uns im gemütlichen Österreich, da denkt man lieber: Schau’n ma mal. So schlimm wird’s schon nicht werden, noch spüren wir nicht viel. Herr Ober!
Während wir hier die Melange genießen, sind Krieg und Not in Gaza kaum gebremst, Katastrophe im Sudan und Krieg in der Ukraine. „Demokratischer Faschismus“ wächst bereits in unseren Breiten aus jedem Riss im versiegelten Boden, faschistoide Gewalt und Gesinnung, die das gefühlt bei uns noch freie Leben bedroht. Mit der Ausbreitung von Wüstengebieten durch den Klimawandel wachsen politisch sozial/gesellschaftliche Wüsten gleich mit. Angst ist der Liebling der Herrscher, Kriegsangst wird geschürt, wie real auch immer, und mündet in panisch anmutende Aufrüstung. Tunnelblick, scheint nichts anderes zu geben oder geben zu wollen. Rüsten alle auf, rückt der Krieg näher. Friedensbewegung? Sollte laut sein, doch man hört sie kaum. Und neben alledem nimmt Klimanotstand seinen Lauf.
Noch einmal die Frage: Wie könnte ich da Antwort finden? Mit Blick auf so ein überwältigendes Geschehen hier und dort. Widerstand? Und wie?
Sparen müssen wir, sagen sie, und sagen gleich dazu, wo sie es am besten finden: Gespart wird im Sozialbereich, bei Gesundheit und Bildung, Mindest(!)sicherung, Pflege und Suchthilfe, bei den kleinen Kulturbetrieben, der freien Szene, Bürger:innen-Projekten, den Öffis … hier in Wien und anderswo. Gespart wird bei den Ärmeren, die Reichen einfach so gelassen. Im Gegenteil, wenige Vermögen steigen ins Unermessliche, während viele jeden Cent umdrehen, bangen um die Existenz. Die wachsende Kluft sprengt den Zusammenhalt und befeuert den Gesellschaftskollaps. Drohender Abstieg, Armut machen Angst. Zahl ich Miete oder kauf ich was zu essen? Widerstand? Und wann? Wo ist der Kotzkübel.
Schlaflos in Rasumofsky, Gedanken lärmen durch den Kopf. Zumindest macht es Sinn zu demonstrieren, offene Briefe zu schreiben, Mails an die Politiker:innen, Petitionen unterschreiben, Kundgebungen auf der Straße, Gespräche führen, Wissen vermitteln, auf die Menschen zugehen und versuchen, sie abzuholen wo sie sind, samt ihren Emotionen, … . Und trotz alledem? So eine Überraschung, dass die letzte COP nicht viel gebracht hat. Das Kleingedruckte müsse man lesen, weiß die Expertin im ORF, dann sei es nicht so schlimm. Nur: Klimanotstand schreibt sich groß.
So viele Projekte und Initiativen hier bei uns und anderswo, für anders leben, frei gemeinsam leben, in und mit Natur. Solidarität mit ihr und Menschen, Gruppen und Völkern – mag unsere ‚Zärtlichkeit‘ sein. Mit Hoffnung und Humor



