Ich mach‘ meine Augen zu – du siehst mich nicht.

Dem ORF-Sommergespräch mit Bundeskanzler Stocker am Montag 31.August 2026 waren insgesamt 117 Minuten Sendezeit gewidmet (Sommergespräch, Analyse in der ZIB2, Sommernachgespräch auf ORFIII). 117 Minuten. Knapp 4 Minuten davon waren dem Thema Klimawandel gewidmet. Knapp 4 Minuten im Gespräch selbst, in den Folgesendungen gab es nur Erwähnungen des Klimawandels in verschiedenen Kontexten, aber keine Diskussion darüber.

Die 4 Minuten waren auch dadurch bedingt, dass das Thema Klima ganz am Ende des Gesprächs angesprochen wurde, so dass gar nicht länger darüber gesprochen werden konnte, weil die Sendung aus war. Am Ende. Ich geh mal davon aus, dass die Planung der Themen eines Sommergesprächs nicht rein zufällig passiert, sondern dass sich ORF Mitarbeiter:innen darüber Gedanken gemacht haben, was wird zuerst angesprochen, was später und was am Ende. So viel Professionalität wird man dem ORF zugestehen. Daraus ergibt sich jedoch die Frage: Welche Gründe führten dazu, das Thema Klima in den letzten Minuten zu platzieren, so dass gar nicht länger als 4 Minuten darüber gesprochen werden konnte. Ideen dazu bitte in den Kommentaren. Die beste Idee wird im nächsten Beitrag lobend erwähnt.

Stocker gab sich persönlich. Er habe gerade ein Enkelkind bekommen und wolle Zukunftspolitik für Kinder und Enkelkinder in die Welt bringen, sprach immer wieder von zukunftsfroher Politik. Zum Beispiel Depotsparen für Kinder: „… dass für Kinder, die geboren werden, nächstes Jahr, wenn das in Kraft tritt, …, ein Zukunftsdepot möglich wird, das heißt, es soll spesenfrei, gebührenfrei und steuerfrei sein,  und die Einzahlungen auf dieses Zukunftsdepot können bis zu 5000 Euro pro Jahr betragen. …“ Sind die Kinder 18 Jahre alt, wird das Geld ausbezahlt und sie freuen sich.

2027 plus 18 Jahre, da sind wir im Jahr 2045. Wenn wir mit dem Klimaschutz so weitertun wie bisher, wird es in 18 Jahren kaum noch etwas geben, wofür Stockers Enkelkinder ihr Geld ausgeben könnten. Die Erde wird von Unwettern, Hitzeperioden, Trockenheit, Ernteausfällen, Waldbränden, Überschwemmungen, Gletscherfelsabbrüchen, Vermurungen, etc. gezeichnet sein. Und von Kriegen um Wasser und fruchtbare Böden. Kriegen um das bloße Überleben.

Und wie stellt sich der Kanzler das vor? „… vor allem mach ich Politik für die nächste Generation … dass die jungen Menschen eine gute Zukunft haben … naja, der Standort bestimmt halt oft den Standpunkt … wir können nicht Klima gegen Wirtschaft ausspielen … es gibt eine Standortklausel … wichtig ist mir, dass wir eine Klimaanpassung vorgesehen haben, wir werden mit steigenden Temperaturen leben müssen … das Verbot, CO2 zu lagern, müssen wir aufheben, wie viele andere Dinge auch …“

Das eine sind des Kanzlers Aussagen, die einem die Haare zu Berge stehen lassen, das andere ist der Umgang des ORF damit – man könnte sich die Haare ausraufen. Ja genau. Angesichts der Demontage jeglicher Ernsthaftigkeit bezüglich Klimaschutz am Montag 31.08.2026 im ORF könnte man sich noch die letzten Haare vom Kopf zupfen oder gleich in die Donau springen.

Wollen wir aber nicht.

Wir gehen lieber gegen die Verantwortungslosigkeit dieser Regierung demonstrieren.

6. Sept. 2026 um 10.00 Uhr am Ballhausplatz.

Klimaschutzgesetz, Entsiegelung, Renaturierung.

Alle Infos hier.

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