Ein persönliches Paradoxon.

1,5 Grad
ist nicht das Ende


Die letzten Jahre waren voll der Bemühungen, das Ziel der Pariser Konferenz 2015 zu erreichen, die Erderhitzung auf 1,5 Grad zu beschränken. Alle, die nur irgendwie für den Klimaschutz engagiert waren, haben dieses Ziel fokussiert und damit argumentiert, wenn wir das Ziel erreichen wollen, dann müssen wir …

Jetzt scheint Schluss damit. Aktuell setzt sich die Meinung durch, dieses Ziel ist nicht mehr erreichbar. Punkt. Eine schlechte Nachricht, eine Niederlage. Die Begrenzung der Erderhitzung auf 1,5 hätte das Leben auf der zukünftigen Erde vermutlich verträglicher gemacht als es mit dem aktuellen Kurs sein wird.

Und doch hat es auch etwas entlastendes, so paradox das klingt. Ich hatte ständig die ‚halb-bewusste‘ Phantasie, wenn wir 1,5 nicht erreichen, dann ist alles aus. Wenn wir das nicht schaffen, war alles umsonst, wenn wir das nicht erreichen, ist das Leben auf der Erde nicht mehr lebenswert, dann haben wir ‚verloren‘.

Die Entlastung entsteht durch die Einsicht: Die Verfehlung des 1,5-Grad-Ziels ist bitter, macht traurig, ärgerlich, wütend, ist vieles – aber sie ist nicht das Ende. Das Leben geht weiter, das Engagement geht weiter und wird umso wichtiger. 1,5 war eine vereinbarte Grenze, aber wenn die Erhitzung fortschreitet, geht es um jedes zehntel Grad. 1,7 ist besser als 2 Grad, 2 besser als 2,5 Grad, 2,5 besser als 3.

Das Engagement gilt dem Erhalt von Lebensräumen. Jedes zehntel Grad weniger bedeutet weniger Extreme und damit mehr Lebensqualität, mehr Sicherheit, mehr Lebensraum für Mensch und Natur. Aufgeben ist keine Option. Es geht um den Erhalt einer lebenswerten Welt für die kommenden Generationen, aber auch für Menschen und Natur der Gegenwart, und auch um Menschen, die schon älter sind. Sie leiden oft stärker unter Wetterextremen, vor allem länger dauernder Hitze. Also: Act now.

Von der Panik zum Handeln


Eine Fotogalerie der BBC mit berührenden Bildern von den Extremwetter-Ereignissen im Juli 2023: Extraordinary photos of July’s extreme weather

„I want you to panic“, hat Greta Thunberg vor einiger Zeit gesagt. Die Panik zu fühlen ist gut, um den planetaren Notstand und die Dringlichkeit der Situation ernst zu nehmen. Wir müssen sie fühlen, sollten ihr aber nicht verfallen.

Sollten uns Hoffnung und Vertrauen darauf erhalten, dass letztlich Vernunft, Solidarität und Liebe die Oberhand gewinnen, über Ausbeutung, Zerstörung und Missbrauch von Mensch und Natur. Immer mehr Menschen verstehen den Ernst der Lage, immer mehr Menschen setzen sich aktiv für den Klimaschutz ein. Und die Hoffnung besteht, dass es Lösungen geben wird, die wir jetzt noch gar nicht denken können.
Und natürlich – wir müssen JETZT handeln.

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Gerne leite ich die aktuelle Treibhauspost weiter, mit Tipps für 10 interesssante und aktuelle Klimabücher:
10 Klimabücher für Deinen Sommerurlaub

Save the Date

25. Aug. – Radeln,
15. Sept. – Demonstrieren


Die Sommermitte naht und wir blicken voraus: Derzeit gibt es zwei bereits fixierte Termine:

  • 25. August, 14:00 Uhr: Radausflug der SeniorsFF Wien in die Lobau.
    Es ist keine Demonstration, sondern ein zwangloses Zusammenkommen, um zu plaudern und gemeinsam durch die Natur zu radeln. Auch ’neue‘ Senior:innen sind herzlich willkommen, eine gute Gelegenheit, sich kennenzulernen.
    • Anmeldung erforderlich unter: <team@seniorsforfuture.at>
      Treffpunkt und Route werden kurz vorher bekanntgegeben
      Teilnahme auf eigene Verantwortung

  • 15. September: Weltweiter Klimaprotest
    • Österreichweit und weltweit wird für den Klimaschutz, eine lebenswerte Welt und ein gutes Leben für alle demonstriert
    • In Wien beginnt die Veranstaltung vorauss. um 12:00 Uhr, Details folgen noch.
    • In den Landeshauptstädten und anderen Orten werden eigene Kundgebungen stattfinden, wir werden verlinken.
    • Mach mit, komm hin, je mehr wir sind, umso stärker sind wir

Wir nehmen die Politik in die Verantwortung. Gewaltlos, bestimmt, eindeutig und nachdrücklich.

Korallenbleiche, Artensterben – Planet Wild

Wir können es so
oder auch anders machen.


Wie Spektrum.de berichtet, könnte heuer die vierte und bislang schwerste weltweite Korallenbleiche drohen, größer als jene in den El-Niño-Jahren 2015 bis 2017. Neben El-Nino spielen auch andere Faktoren wie z.B. die Überhitzung der Ozeane durch den Klimawandel eine Rolle. Bleibt die Meerestemperatur zu lange zu hoch, können sich die Korallen von der Bleiche nicht mehr erholen und sterben ab. (Bericht Spektrum.de)

Nicht nur im Wasser, auch an Land und in der Luft greift das Artensterben um sich. Eine Million aller Arten sind vom Aussterben bedroht. ‚Terra X‘-Moderator Dirk Steffens: „Man muss sich das Leben auf der Erde wie ein Netz vorstellen, das uns alle trägt. Jede Art hat eine Funktion, so wie ein einzelner Faden. Wenn zu viele Fäden reißen, bricht alles zusammen. Die Menschheit ist gerade dabei, ihre eigenen Lebensgrundlagen zu vernichten.“ (ZDF Doku)

Bodenversiegelung, Raubbau an Land und zu Wasser, Verschwendung von Ressourcen, exzessiver fossiler Verbrauch, etc. Die daraus folgende Erdererhitzung steht in Wechselwirkung mit dem Artensterben und führt uns in die Katastrophe. Menschengemacht.

Die Katastrophe ist menschengemacht – das ist die gute Nachricht. Was wir machen können, können wir so oder auch anders machen. Es liegt in unserer Macht, die Erhitzung zu begrenzen. Die Politik muss klimaschutz-fördernde Rahmenbedingungen schaffen. Das tut sie zu wenig und zu langsam, doch gibt es immer wieder auch Fortschritte: z.B. das Abkommen der UN-Biodiversitätskonferenz 2022 in Montreal, die Annahme des Renturierungsgesetzes durch das EU-Parlament im Juli 2023, u.a.

Gleichzeitig entstehen immer mehr kleinere und größere Initiativen, die sich lokal und/oder gobal für den Klimaschutz einsetzen. Eine umfassende Auflistung der österreichischen Klimaschutz-Initiativen findet sich auf der Plattform für Klimakommunikation.

Das Berliner Startup Planet Wild: „Mit monatlichen Aktionen sollen gefährdete Arten wieder angesiedelt, Ozeane von Plastik befreit und Wälder wieder der Natur zurückgegeben werden. Die global agierende Community setzt sich aus Menschen zusammen, die sich um den Erhalt des Planeten kümmern und sich für die Umsetzung von Naturschutzprojekten einsetzen.“

„Ist die Letzte Generation zu radikal?“

19 Minuten Video,
die sich lohnen
(nur 76 mal länger
als ein 15 sec Reel)


Eine Analyse der Aktionen der Letzten Generation. Bringen die Aktionen etwas für den Klimaschutz oder schaden sie mehr? Warum werden sie als radikal gesehen, obwohl sie gewaltfrei sind? Wie weit darf Ziviler Ungehorsam gehen? Was lernen wir aus früheren Protestbewegungen? Welche Rolle spielen die Medien? Diese und weitere Themen werden im Video angesprochen und analysiert. Eine differenzierte Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven zum ‚Phänomen‘ Letzte Generation.

Dass der Klimawandel geradewegs in die planetare Katastrophe führt, die viele Lebewesen nicht überleben würden, ist wissenschaftlicher Konsens, großteils auch, dass die aktuellen Maßnahmen dagegen bei weitem nicht ausreichen. Politik und Wirtschaft anerkennt (bis auf wenige Ausnahmen) zwar die Realität der Gefahren, doch wirksame Maßnahmen werden nicht oder in viel zu geringem Ausmaß umgesetzt.

Genau darauf wollen die Aktivist:innen der Letzten Generation aufmerksam machen: Die Politik muss endlich ins Handeln kommen. Nachdem bisherige Formen des Protests nur wenig wirksam waren, hat man sich für das ‚Format‘ der Straßenblockaden entschieden. Sie stören den Alltagsablauf und treffen den und die Österreicher:in (‚Österreich ist Autoland‘) an einem empfindlichen Nerv: Der täglichen Nutzung des Autos. Hier geht’s zum Video

Wir können die Welt nicht retten, aber wir leisten unseren Beitrag

Fotos: Christa Kleiner, Hanna Woltsche

Indem wir z.B. auf Demonstrationen präsent sind und Aktionen der Letzten Generation und anderer Klima-Aktivist:innen mit Solidaritätskundgebungen unterstützen (s.Fotos).

Aktuell erleben wir die Auswirkungen des Klimanotstands auch in Europa. Hitze, Dürre, Unwetter – es ist nicht mehr zu übersehen. Einerseits gibt es immer mehr Menschen und Organisationen, die sich für effiziente Maßnahmen im Klimaschutz einsetzen, andererseits wird auch Widerstand und Verleugnung in Politik, Wirtschaft und gewissen gesellschaftlichen Lagern größer. Die Macht liegt noch bei der Politik und den transnationalen Konzernen, was für uns Klimaaktive immer wieder zu Frustationen führt.

Wenn ich wiedermal depressiv bin, weil nix weitergeht, oder viel zu langsam weitergeht, halt ich mich an den Satz von Vaclav Havel: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn macht, egal wie es ausgeht.“

Was wir tun macht Sinn.

Und außerdem: Manchmal geht auch etwas gut aus, sowie in dieser Woche die Abstimmung über das Renaturierungsgesetz. Wenn auch mit sehr knappem Vorsprung (336 zu 300) wurde das Renaturierungsgesetz angenommen und schafft damit eine wichtige Rahmenbedingung für mehr Klimaschutz. Auch wenn abzuwarten ist, was von den einzelnen Ländern dann wirklich umgesetzt wird, ein großer Erfolg. Weitere Infos hier.

Aus formellen Gründen abgelehnt

Fotos: Andreas Rodlauer, Demo gegen die Ablehnung der Klimaklage durch den VfGH, 10.07.2023

Das sogenannte Sommerloch gibt es nur in der Politik, leider nicht beim Klimanotstand. Und auch nicht für lokale Klimaanliegen, wie der Klimaklage von 12 Kindern und Jugendlichen (s. Beitrag vom 08.07.2023). Lokal einerseits, andererseits betrifft es mehrere Generationen, also rein zeitlich gesehen durchaus ausgedehnt.

Die Zurückweisung aus rein formellen Gründen (wie auch immer rechtlich fundiert) – was soll man da sagen. Das ist kein Vorwurf an den Gerichtshof, vermutlich musste er so entscheiden, um im rechtlichen Rahmen zu bleiben. Trotzdem hinterbleibt ein flaues Gefühl im Magen, Obrigkeiten in Österreich mangle es an Affinität zum Klimaschutz. Und dass davon auch noch Menschen und ihre Schicksale betroffen sein könnten, scheint manchmal überhaupt außerhalb ihrer Wahrnehmungsgrenzen. Insofern, Recht hin oder her, skandalös.

Wie FFF schon in ihrer PA betont haben, kann das nur eines heißen: Weiterkämpfen. Verfassungs/Klimaklagen sind ein Faktor von vier wichtigen (neben Massendemonstrationen, zivilem Widerstand und Boykott) den Reinhard Steurer als wesentlich nennt, damit Bewegungen erfolgreich sind.

Wir sind eine Bewegung. Einzelpersonen, Vereine, NGOs werden sich weiterhin und umso mehr für den Klimaschutz – der eigentlich Mensch und Natur schützen soll – einsetzen. Wir sind viele und wir werden immer mehr.

Der VfGH hat entschieden

MO 10. Juli 2023
17.00 Uhr
Ballhausplatz

1010 Wien


Der VfGH hat die Klima-Klage von zwölf Kindern und Jugendlichen im Alter von 5 bis 16 Jahren, vertreten durch Klimaanwältin Michaela Krömer, zurückgewiesen. Eine besonders, weil lebenslang betroffene Bevölkerungsgruppe, hat fehlende Maßnahmen im Klimaschutz eingeklagt, was den in der Verfassung verankerten Kinderrechten widerspreche. Inhaltlich habe sich der VfGH nicht geäußert. Die Zurückweisung wurde mit rein formellen Argumenten begründet.

Kinder haben ein in der Verfassung festgeschriebenes Recht auf Schutz und Fürsorge, bestmögliche Entwicklung und Entfaltung, ein Recht auf Gesundheit und Wahrung ihrer Interessen, Vorrang des Kindeswohls und Generationengerechtigkeit. Das beinhaltet zwangsläufig auch ein Recht auf wirksamen Schutz vor der Klimakrise und ihren Auswirkungen.

“Dass der Verfassungsgerichtshof eine Klage aus formellen Gründen nicht zulässt, ändert nichts an der Tatsache, dass das bisherige Klimaschutzgesetz inhaltlich eine Katastrophe ist. Das Urteil führt uns vor Augen, dass wir keine Möglichkeit haben, uns vor Gericht über die Zerstörung unserer Zukunft zu beschweren. Das werden wir nicht so einfach hinnehmen! Kinderrechte müssen einforderbar werden”, erklärt Daniel Shams von Fridays For Future. “Und wenn der Regierung das Wohl der Kinder wichtig ist, muss sie ein neues und tatsächlich wirksames Klimaschutzgesetz beschließen.” (PA CLAW/FFF)

Wenn der Verfassungsgerichtshof unsere Rechte nicht schützen möchte, müssen wir die Klage außerhalb des Gerichts gewinnen. Wir haben ein Recht auf eine Zukunft, doch momentan haben wir keine Möglichkeit, diese Rechte einzuklagen. Das ist ein Skandal! Was sind Kinderrechte in Österreich dann überhaupt wert?“ (ebd)

FFF ruft alle Menschen, denen die Rechte unserer Kinder wichtig sind, zur Klimaschutz-Demonstration auf: Montag 10. Juli 2023 um 17.00 Uhr, Start: Ballhausplatz

Presseaussendung von CLAW/ Michaela Krömer und FFF
Artikel im Standard: VfGH weist Klimaklage von Kindern zurück – Rechtsanwältin strebt weitere Verfahren an.
Ein ausführlicher Bericht zu weltweiten Klimaklagen findet sich auf den blauen Seiten des ORF:
Klimaklagen lassen Druck steigen


Wiederherstellung der Natur – oder doch nicht?

Eine geplante EU-Verordnung über die Wiederherstellung der Natur droht zu scheitern. Konservative Kräfte machen massiv dagegen mobil, die Europäische Kommission versucht, den Gesetzesentwurf durchzubringen und ist bereit, Zugeständnisse zu machen. Vorläufig ist der Entwurf am Umweltausschuss des EU-Parlaments zwar knapp, aber doch gescheitert.

Mit dem Renaturierungsgesetz sollen 20% der geschädigten Land- und Wasserflächen saniert, Wälder aufgeforstet und trockengelegte Moore wieder vernässt werden. Ein wichtiger Schritt für das Klima, den Erhalt der Biodiversität und die Ernährungssicherheit, auch wenn konservative Gruppen genau das Gegenteil behaupten. Viele Wissenschafter:innnen befürworten das Gesetz und setzen sich dafür ein. Noch besteht Hoffnung.

Ein Beitrag der tagesschau, Stand 27.06.2023.

Klimaschutz statt Kriminalisierung

27.06.2023
18.00 Uhr
Schwarzenbergplatz
Wien


Am 20. Juni wurden in Frankreich 18 Klimaaktivist:innen aus dem Kollektiv „Soulèvements de la Terre“ festgenommen. Am 21. Juni wurde im französischen Ministerrat die „Auflösung“ des Kollektivs beschlossen. Alle Zeichen stehen auf Kriminalisierung: In Frankreich bemühen sich rechte Parteien, die Industrie und der konservative Bauernverband, Klimaaktivismus als „Ökoterrorismus“ zu diffamieren. Weltweit, und auch in Österreich, nimmt die Repression gegen Klimaaktivist:innen zu. 

Keine Repressalien gegen Klima-Aktivist:innen,
keine Kriminalisierung von Klima-Aktivismus.

27.06.2023, 18.00 Uhr
Vor der französischen Botschaft, Technikerstraße 2/Schwarzenbergplatz, 1040 Wien