Du hast ja keine Ahnung!

Interessantes Interview auf klimafakten.de mit dem Soziologen und Rechtsextremismusforscher Mathias Quent: „Rechtsextreme und Rassisten wehren sich gegen Klimaschutz, weil er ihre Privilegien in Frage stellt“

„Man sollte nicht glauben, man könne bestimmte Akteure allein mit guten Argumenten überzeugen. Es bringt nichts, Menschen Dinge erklären zu wollen, denen sie aggressiv und abwehrend gegenüberstehen. Menschen tendieren grundsätzlich dazu, Informationen zu suchen und aufzunehmen, die ihre Ansichten und ihre soziale Position bestätigen, nicht hinterfragen. Die Sozialpsychologie nennt dieses gut erforschte Phänomen „motivated reasoning“. Trotzdem gilt es, die Fahne der Aufklärung hochzuhalten.“ […]

„Wir sollten mehr über die historischen und systemischen Ursachen der Klimakrise sprechen, über politische Regeln, Zusammenhänge und die Verantwortung von jenen, die einen besonders großen Beitrag zum Klimaschutz leisten könnten: Großunternehmen zum Beispiel. Der Carbon-Majors-Report aus dem Jahr 2017 hat gezeigt, dass sich 71 Prozent der globalen Emissionen auf nur 100 Konzerne zurückführen lassen. Vor allem diese Player müssen viel stärker in die Pflicht genommen werden, aus ökologischen und demokratiepolitischen Gründen.„[…]

„Es führt politisch nicht weiter, wenn ich nicht bereit bin, anderen zuzugestehen, dass sie davon unterschiedliche Perspektiven haben können. Aber es sollte auch nicht der Eindruck entstehen, als seien die zentralen Fakten der Klimakrise Ansichtssache. Insofern kann es helfen, nach gemeinsamen Betroffenheiten zu suchen.“ […]

„In Wahrheit sind Klimafragen eben nicht persönliche Probleme einzelner, die durch individuelles Verhalten gelöst werden können, sondern sind eine systemische Krise.“

Hier geht’s zum Interview.

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Eine Krise hat Anfang und Ende. Die Klimakatastrophe bleibt. Ein etwas anderer Blick auf die katastrophale Veränderung der Biosphäre, für kontroverse Überlegungen:
„Mit säkularer Spiritualität gegen planetare Krise?“, SRF Sternstunde Religion

Was kann „politisches Framing?“

Mittwoch 3. Mai 2023
19.00 – 21.00 online

Foto: Khaled Reese

Politisches Framing ist auch für die Klima-Kommunikation ein wichtiger Aspekt, wenn wir Wirkung erzielen wollen. Gerade wenn wir Briefe an Medien, Politiker:innen oder Gemeinden schreiben, ist der Rahmen wichtig, innerhalb dessen wir unsere Anliegen formulieren und an die Frau oder den Mann bringen wollen.

Dazu gibt es am 3. Mai 2023 einen Online-Workshop von Prof. Dr. Jörg Matthes, Professor für Werbeforschung an der Universität Wien und Vorstand des dortigen Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft:

Wie werden politische Themen diskutiert, welche Aspekte werden dabei in den Vordergrund gestellt, welche ausgeblendet? Dies sind Grundfragen, die in der Wissenschaft als „Rahmung“ bzw. „Framing“ beschrieben und diskutiert werden. Der Vortrag stellt die Frage, wie stark dieses Framing wirklich ist: Können dadurch Menschen manipuliert und Wahlen entschieden werden? Und welche Rolle spielen dabei die Medien?

Die Teilnahme ist kostenfrei, weiter Infos hier.
Anmeldung hier.

Nach dem 45-minütigen Fachvortrag folgt eine ca. 15-minütige Frage- und Diskussionsphase. Danach sind Sie bis 21:00 Uhr herzlich eingeladen zu weiterem fachlichen Austausch und kollegialer Vernetzung in unterschiedlichen selbstgewählten Gruppen und freundlicher Salonatmosphäre. Dazu wechseln wir zu „gather.town“ (die bisherige Plattform wonder.me wurde leider abgeschaltet und vom Netz genommen).


Schau’n ma mal

Österreichische Gemütlichkeit hat schon was für sich, das nette Alpenvölkchen, das sich nicht stressen lässt. Von nix. Auch nicht von der Klimakatastrophe. Ziele? Sind vor allem dazu da, festzustellen, wie weit man sie verfehlt hat. Im konkreten Fall würde es sich um nur 20 Jahre handeln.

Nach dem Bericht des Umweltbundesamtes werden wir die EU-vereinbarten Klimaziele für 2030 nicht erreichen. Nicht um ein paar Jahre, sondern gleich um ganze 20 Jahre, also erst 2050. Und dann ist noch längst nicht alles getan, aber die Klimakatastrophe, wenn alles bleibt wie es ist, voll im Wüten. Vor einiger Zeit war Österreich Klima-Vorzeigeland. Jetzt sind wir der ‚Bleifuß‘ und das im wahrsten Sinn des Wortes.

DER wesentliche Faktor ist nämlich der Verkehr. Und unser Kanzler spricht morgens, mittags und abends das ‚Erhalte-uns-Verbrenner-Gebet‘. Unglaublich. Auch in anderen Sektoren des Klimaschutzes schaut es nicht viel besser aus. Seit inzwischen 846 Tagen leben wir ohne Klimaschutzgesetz, obwohl sich alle Experten einig sind, dass dieses notwendig ist, wenn wir effizient gegensteuern wollen.

Die gute Nachricht: Im Bericht sind nur Maßnahmen miteinbezogen, die vor dem 1. Jänner 2022 in Kraft getreten sind. Das heißt, manches kommt noch dazu und vor allem: Vieles könnte noch dazukommen. Wenn wir uns – symbolisch gesprochen – einen Pappkarton schnappen und tun, was zu tun ist.

Sie klagen an!

Am 29. März 2023 fand die Anhörung der Klimaklage der Schweizer Seniorinnen vor dem EGMR (Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte) in Straßburg statt. Bis Jahresende darf mit einem Urteil gerechnet werden. Viele hoffen auf ein Grundsatzurteil: Kann ein Staat Menschenrechte verletzen, wenn er nicht genug gegen die Klimakrise tut. Wie auch immer, das Urteil wird weitreichende Signalwirkung haben. Zwei weitere Klagen aus Frankreich und Portugal stehen heuer noch an.

Die KlimaSeniorinnen Schweiz haben sich zusammengetan, um etwas gegen die Klimakrise zu unternehmen, da ältere Frauen von der Erderhitzung besonders betroffen sind. Auch Kleinkindern und chronisch kranken Menschen kann die Hitze mehr als anderen schaden (Factsheet Gesundheit und Klima). Der Verein zählt inzwischen über 2000 Mitglieder und wird von Greenpeace unterstützt (Unterstützungserklärung hier).

Warum sie klagen: „Die Klimaerwärmung macht Menschen krank. Wir ältere Menschen gehören dazu: Wegen der häufigeren und intensiveren Hitzewellen steigen die Risiken, frühzeitig krank zu werden oder zu sterben, für uns übermässig an. Ausserdem müssen wir heute handeln, um unsere Nachkommen vor noch viel schlimmeren Auswirkungen zu schützen. Wir klagen, weil alles, was uns lieb ist, auf dem Spiel steht. (Website)

Auch in Österreich gibt es seit kurzem eine Klimaklage. Zwölf Kinder und Jugendliche klagen beim Verfassungsgerichtshof gegen das unzureichende Klimaschutzgesetz. Unterstützt, beraten und vertreten werden sie von der Rechtsanwältin Michaela Krömer, Fridays For Future und dem Verein CLAW (climate law). Hier ist ein Ergebnis bis Ende Juni 2023 zu erwarten. Wird dem Antrag Folge gegeben, müsste der VfGH bestimmte Teile des Klimaschutzgesetzes als verfassungswidrig aufheben. Dann wäre die Regierung in die Pflicht zu nehmen (Info).

Klimaprotest in London – The Big One

Foto: euronews


Kurzbericht von Euronews vom 4tägigen Klimaprotest in London, The Big One, organisiert von Extinction Rebellion und anderen Klimainitiativen. Auch in anderen Ländern werden rund um den Earthday Klimaproteste organisiert. Der Protest in London solle familienfreundlich sein und verzichtet auf gröbere Störaktionen, auch der Marathon am Sonntag soll nicht gestört werden.

Die Aktivitst:innen in London fordern: Keine neuen Lizenzen für fossile Projekte und die Einberufung von Bürger:innen-Notstandsversammlungen, um den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen voranzutreiben. Falls die Regierung nicht bis Montag reagiert, wird ein beispielloser ziviler Ungehorsam angekündigt.

Bericht von puls4 zu den Londoner Protesten hier (6.57 min).

ÖFFIS und Rad statt Autobahn

Rad-Demo
Samstag 6. Mai 2023
14.00 Uhr

U2 und S-Bahn Stadlau

Zusätzlich zur monatlichen Rad-Demo von Radeln For Future am FR 05. Mai 2023 (s.u.) gibt es auch am Samstag eine Fahrrad-Demonstration. Die Wiener Bezirke nördlich der Donau wären für sich genommen die zweitgrößte Stadt Österreichs. Insbesondere die Donaustadt wächst rapide. Es sind tausende neue Wohneinheiten für die nächsten Jahre geplant. Doch Transdanubien versinkt in der Autoverkehrshölle. 

Im Großen behaupten die SPÖ Wien und Bürgermeister Ludwig weiterhin, dass nicht nur die Erweiterung der Seestadt, sondern sämtlicher neuer Wohnbau in Wien Donaustadt nur mit Autobahnanbindung möglich sei. Doch die soziale, ökologische und wirtschaftliche Alternative ist längst vorhanden: Die Nutzung der bestehenden Gleisanlagen. Es gibt in und um Wien ein ausgedehntes Schienennetz, das vielfach nicht oder nur wenig genutzt wird. Das grenzt angesichts verhältnismäßig geringer Kosten für dessen Belebung an Sabotage!

Wir fordern:

➡️Sofortige Wiedereröffnung der 2010 zugesperrten Linie von der Erzherzog-Karl-Straße Richtung Norden, die parallel zur A23 Südosttangente verläuft.

➡️Erhöhung des Taktes der S80, die heute nur alle 30 Minuten fährt.

➡️Verlängerung der S45 bis zum Praterkai, womit sie mit der S80 verbunden werden könnte.

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Gürtel Bike Ride 2023
05. Mai 2023 um 17.00 Uhr, Votivpark
Die Rad-Demo von RADELN FOR FUTURE jeden ersten Freitag im Monat
Infos hier

Winterdürre?

Frankreich
Italien
Österreich


Der Regen der vergangenen Tage in Österreich hat der Natur gut getan, darf aber nicht über den Ernst der Lage hinwegtäuschen. In den letzten Wochen und Monaten gab es in vielen Teilen Europas viel zu wenig Niederschlag, um die Grundwassserpiegel wieder aufzufüllen.

„In Frankreich gelten wegen der anhaltenden Trockenheit Regeln zum Wassersparen, in Italien warnen Umweltschützer vor Schnee- und Regenmangel und in den Alpen liegt vielerorts nur ein Bruchteil der üblichen Schneemenge. Was steckt hinter der Winterdürre in vielen europäischen Ländern?“ Bericht des Deutschlandfunks.
Artikel hier.

„Österreich ist zwar ein wasserreiches Land, doch die Niederschläge und Wasserressourcen sind regional ungleichmäßig verteilt. Der Blick in die Zukunft ist besorgniserregend: Durch den Klimawandel könnten die nachhaltig verfügbaren Grundwasserreserven bis 2050 um bis zu einem Viertel schrumpfen.“ Profil berichtet über die Wasser-Situation in Österreich.
Artikel hier.

Act, act, act!
Now, now, now!

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Gürtel Bike Ride 2023
05. Mai 2023 um 17.00 Uhr, Votivpark
Die Raddemo von RADELN FOR FUTURE jeden ersten Freitag im Monat
Infos hier

Treibhausgas-Bilanz und Tempo 100

Im Jänner 2023 wurde vom Umweltbundesamt der Bericht zur Treibhausgas-Bilanz Österreichs für das Jahr 2021 erstellt: „Die Treibhausgas-Emissionen in Österreich sind von 2020 auf 2021 um 4,9% gestiegen und liegen bei 77,5 Mio. Tonnen CO2-Äquivalent, so die Treibhausgas-Bilanz des Umweltbundesamtes für das Jahr 2021. Das bedeutet ein Plus von rund 3,6 Mio. Tonnen im Vergleich zum Jahr 2020.“

Hier geht’s zum Bericht.

Mehr als die Hälfte dieses Anstiegs könnte man durch die einfachste und sofort umsetzbare Maßnahme Tempolimit 100/80/30 verhindern. Dass diese nicht schon längst umgesetzt wurde, entbehrt jeglicher Logik und Vernunft und weist ein weiteres Mal darauf hin, dass die Psychologie eine wichtige Rolle im Umgang von Politiker:innen und Bürger:innen mit der Klimakrise spielt.

„Eine Verringerung des Tempolimits bringt neben einer Treibstoffersparnis von bis zu 10 Prozent auch eine Entlastung für das Klima. Denn vor allem an den Autobahnen kann durch eine reduzierte Höchstgeschwindigkeitsgrenze auf 100 Stundenkilometern bis zu 10 Prozent CO2 und 46 Prozent an Stickstoffoxiden eingespart werden. “ So schreibt das Klimaministerium selbst in einem Beitrag auf der ‚klimaaktiv‘-Seite. Hier geht’s zum Beitrag.

Am Ende des Beitrags findest du einen kostenlosen Download des detaillierten Berichts der Forschungsgesellschaft Straße – Schiene – Verkehr (FSV): „Ein neuer Ansatz für höchstzulässige Geschwindigkeiten im Straßenverkehr in Österreich aus synergetischer, nachhaltiger Sicht“,  FSV-Schriftenreihe Heft Nr. 025.

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Tempo 100 ist eine der Forderungen der Letzten Generation. Am 19. April 2023 um 19.00 Uhr findet das nächste Krisengespräch der Letzten Generation statt, im Cafe Schopenhauer, 1180 Wien. Weitere Termine in den Bundesländern findest du hier.
Und mehr Veranstaltungs-Tipps gibt’s auf unserer Seite Events.

Sonnige Frühlingsgrüße

und ein herzliches Willkommen an unsere neuen Mitglieder sowie ein großes Danke an alle anderen für die bisherige Arbeit.

Unsere Schwerpunkte in nächster Zeit:

  • Anschreiben aller Gemeinden in Österreich, dass sie sich mit den 93 Forderungen des Öst. Klimarats solidarisieren.
  • Solidarität mit allen friedlichen Formen des Klimaprotests. Wir lassen uns nicht spalten.
  • Vorbereitung des nächsten weltweiten Klimastreiks im September.
  • Kreativer Austausch über Werte, Projekte, Ideen, lokal und national.

Wir, die Seniors for Future Austria, treffen uns am 13. April in Wien, im Mai in Vorarlberg, online nach Bedarf. Bei Ideen, Fragen oder dem Wunsch, sich aktiv einzubringen: team@seniorsforfuture.at

Treffen in Wien am 13. April:

  • 16.30 – 17.30, Weltmuseum Wien, Heldenplatz 1010 Wien,
    im Rahmen der Ausstellung „Ausgestorben?!“
    Der Besuch der Ausstellung ist kostenfrei
  • 18.00, für Interessierte, die sich aktiv einbringen wollen,
    Cafe Bellaria, Bellariastraße 6, 1010 Wien
    Mit Bitte um Anmeldung an: team@seniorsforfuture.at

Für die Seniors For Future
Martin, Christa und Stephan

Jede Wahl ist Klimawahl

Landtagswahlen in Salzburg am 23. April 2023. Auch hier gilt: Die Stimmabgabe entscheidet darüber, welche Klimapolitik mit welchen Zielen in den nächsten Jahren vom Land Salzburg verfolgt wird. Wird Klimaschutz ernst genommen, genug in erneuerbare Energie investiert, Häuser saniert, der öffentliche Verkehr ausgebaut, die Städte menschen- und radfreundlicher gestaltet, die Bodenversiegelung reduziert, etc. Das alles hängt wesentlich von der Zusammensetzung des Landtags ab.

Die Scientists for Future Salzburg haben einen Katalog mit 25 Fragen an die Parteien ÖVP, SPÖ, Grüne, Neos, FPÖ und KPÖ versandt, um einzuschätzen wie ernsthaft die jeweilige Partei an der Umsetzung von Klimaschutz-Maßnahmen arbeiten würde. Die Fragen umfassen die Bereiche Energie, Mobilität, Wohnen und Artenvielfalt. Zudem wurden die Einschätzung der aktuellen Energie- und Klimastrategie 2050 des Landes sowie die Klimamaßnahmen im öffentlichen Bereich und die strukturelle Verankerung von Klimapolitik abgefragt. 

Die Ergebnisse sind hier nachzulesen und auf der Seite www.klimawahlen.at des österreichischen Klimvolksbegehrens übersichtlich dargestellt.

Am 13. April laden Scientists und Fridays for Future zur Podiumsdiskussion „Salzburgs Klimapolitik in Diskussion“, in der die Antworten der Parteien besprochen werden. NAWI, 20.00.

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Und für die Wiener:innen: Nicht vergessen!
Radeln For Future am Karfreitag
7. 4. 2023 um 17.00 Uhr, Votivpark.